Praxisbetrieb Graf, oberpfälzischen Regenstauf: Intensive Kälberaufzucht - Was bringt es Kalb und Landwirt?

Fragen stellen, von den Erfahrungen anderer lernen, neue Sichtweisen gewinnen – vom Austausch und Wissen von Berufskollegen profitieren alle. Das hat sich auch der Milchviehbetrieb Graf aus dem oberpfälzischen Regenstauf gedacht und seine Erkenntnisse wie Lehren aus der intensiven Kälberaufzucht im Sano Web-Seminar mit über 140 Teilnehmern geteilt. Das Thema trifft einen Nerv. Wir stellen den Betrieb deshalb noch einmal im Detail vor.

 

Seit über drei Jahrzehnten arbeitet Familie Graf mit Sano zusammen – und das mittlerweile generationsübergreifend mit Stefan Graf, seiner Frau Maria und Sohn Johannes. Alle Drei teilen die Leidenschaft für Landwirtschaft und die Begeisterung, etwas Neues auszuprobieren. Damit sind sie immer am Puls der Zeit – ob der Wechsel von Einzelkomponentenfütterung hin zum Mischwagen, der Übergang von Salz und Kalk zur Komplettlösung Mipro®, die Futteranalyse und Rationsberechnung nach CNCPS oder auch bei der Kälberfütterung. Die Grafs ziehen ihre Kälber „intensiv“ auf – das heißt, sie tränken die Kälber ad libitum. Ein Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit von Familie Graf und Sano Spezialberater Benjamin Eder.

 

Was bedeutet „intensiv“? 

Intensive Kälberaufzucht bedeutet, dass die Kälber für eine be¬stimmte Zeit zu Beginn ihres Lebens ad libitum getränkt werden. Ad libitum kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „nach Belieben“. Die Kälber bekommen die ersten drei Lebenswochen „nach Belieben“ Milch zur freien Verfügung und können saufen, wann und so viel sie wollen. Nach der ersten Mahlzeit, der Biestmilch, bekommt das Kalb sofort und rund um die Uhr angesäuerte Milch zur freien Aufnahme. Eine Ansäuerung ist notwendig, um die Milch zu konservieren, während sie den Tag und die Nacht über ständig bereitsteht. 

 

Ad libitum ab Tag 1 

Damit ad libitum gut funktioniert, muss das System sofort ab dem ersten Lebenstag umgesetzt werden. „Nach der Biestmilch, die wir direkt nach der Kalbung abmelken und anschließend vertränken, kommen die Kälber in eine frisch eingestreute Einzelbox. Hier erhalten sie immer sofort einen Eimer mit angesäuerter Milch zur freien Verfügung“, erklärt der Landwirt. So lernen die Kälber, dass Milch keine Mangelware ist, sondern ständig zur Verfügung steht. Auch das Trinken aus dem Nuckeleimer wird laut seiner Erfahrung so schneller erlernt als früher. Zusätzlich erhalten die Kälber Wasser und ab der zweiten Lebenswoche eine Trocken-TMR. So gewöhnen sich die Kälber langsam und kontinuierlich an festes Futter – für die Pansenentwicklung essenziell. Nach dem Absetzen von der Milch ist die Festfutteraufnahme der Jungtiere bedeutend höher. 

 

Langsames Abtränken ist das A und O 

Von der 4. bis zur 10. Lebenswoche tränkt Familie Graf ihre Kälber ab. „Dazu stallen wir sie in unseren großen Offenfrontstall mit Tränkeautomat um. Beginnend mit einem Anrecht von 16 Litern Milchaustauscher tränken wir innerhalb von 50 Tagen kontinuierlich auf 1 Liter pro Tag ab“, erklärt Johannes Graf das weitere Vorgehen. Sano Fütterungsexperte Eder bestätigt: „Beim Abtränken ist der Automat ideal. Wichtig sind hier vor allem fließende Übergänge von der ad libitum Tränke bis zum kompletten Absetzen.“ Zusätzlich wird den Kälbern frisches Wasser, eine Trocken-TMR und später auch die Kuhration angeboten. Am Ende stehen die Absetzer von Familie Graf mit etwa 120 kg Lebendmasse prima da und starten somit gesund und stark in die Jungviehaufzucht. 

 

Tägliche Zunahmen, Kälbergesundheit und Arbeitswirt¬schaftlichkeit 

Die Vorteile liegen für Familie Graf auf der Hand: Die sehr guten Zunahmen von circa 1000 Gramm pro Tag (Geburt bis 6 Monate) kommen in aller erster Linie durch die deutlich verbesserte Tiergesundheit. Da sind sich Landwirt, Fütterungsexperte und Produktmanager einig. Die Kälber sind stressresistenter und die Krankheitsverläufe milder. „Die Kälber kommen immer wieder sehr schnell auf ihre volle Tränkemenge und wachsen dadurch gut weiter. Das war vor der ad libitum Tränke anders“, freut sich Johannes. Durch die höheren Tageszunahmen erreichen die Färsen auch schneller das gewünschte Besamungsgewicht. Aktuell diskutiert der Betrieb die Erstbesamung ab 15 Monaten. Einen weiteren Vorteil sieht die gesamte Familie auch in der Arbeitswirtschaftlichkeit. Um zu Dritt die Arbeit auf dem Hof stemmen zu können, spielt der Faktor Zeit eine große Rolle. „In meiner Meisterarbeit konnte ich feststellen, dass sich durch intensive Kälberaufzucht 5 Arbeitsstunden pro Kalb einsparen lassen“, berichtet Johannes zufrieden. 

Gesunde Kälber sind die Leistungsträger von morgen 

Die Kälber sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Milchviehhaltung. Sie entwickeln sich zu den Leistungskühen von morgen. Darum ist eine ganzheitliche Betrachtung des Milchviehbetriebs essenziell. Familie Graf hat das verstanden. Gemeinsam mit Sano Fütterungsexperte Benjamin Eder kann der Betrieb so nun schon seit über 30 Jahren immer wieder Fortschritte verzeichnen.

 

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