Praxisbetrieb Flämingrind, Brandenburg: CNCPS im Praxistest

Seit 2017 ist die Rationsberechnung nach CNCPS unter anderem bei der PG Flämingrind e.G. in Kranepuhl im Einsatz. Was sagt die Leiterin der Tierproduktion, Ellen Ortmann-Sternberg, dazu? Warum ist es angesichts der herausfordernden Grundfuttersituation so hilfreich? Und vor allem: Bringt es wirklich Vorteile? Ein Lagebericht aus Kranepuhl.

August 2017, Berlin. Ellen Ortmann-Sternberg, Leiterin der Tierproduktion bei der PG Flämingrind e.G., sitzt gebannt in der CNCPS-Fachtagung. Prof. Michael Hutjens, auch bekannt als der „Fütterungspapst“ aus den USA, referiert über die Bedeutung des Grundfutters. Es soll genauer hingeschaut werden, sagt der Experte. NDF Verdaulichkeit, Stärkeverdaulichkeit, stärkerer Fokus auf die Aminosäure - und Fettsäurezusammensetzung nennt Hutjens eine Hand voll der vielen Stellschrauben. Jeder Landwirt muss wissen, was in seinem Futter drin ist, ist er überzeugt. Um das rauszufinden, empfiehlt Hutjens die Analysemethode nach CNCPS. „Das Ergebnis ist ein Pansenmodell“, erklärt Dr. Paolo Fissore, ebenso internationaler Rinderexperte, die Verbindung von CNCPS und der dynamischen Rationsberechnungsberechnung nach CNCPS. Für Ortmann-Sternberg ist seitdem klar: „Das ist ein großer Vorteil für uns. Nun weiß ich genau, wie sich die Leistung meiner Tiere verändert, wenn ich eine neue Silage einsetze oder Komponenten ändere. Damit kann ich die Ration jetzt passgenau ausrichten.“

 

Betriebsreportage: PG Flämingrind - Der Betrieb

Die PG Flämingrind e.G. in Kranepuhl, Brandenburg, besteht seit 1990. Mit den Standbeinen Milchkühe, Mutterkühe, Bullenmast und einer Biogasanlage ist der Betrieb breit aufgestellt. Die 140 Milchkühe werden mit einer Voll-TMR gefüttert, die Trockensteher erhalten eine einphasige Fütterung . Die Fresser für die Mast kaufen sie mit einem Gewicht von 200 kg zu.

 

Erste Ration mit CNCPS

Der Entschluss war gefasst, welche Schritte dann folgten, berichtet Ortmann-Sternberg:

  • Gleich im Anschluss der Sano Fachveranstaltung in Berlin habe ich einen Termin zur Rationsberechnung nach CNCPS vereinbart.
  • Ludger Eiting, mein zuständiger Sano Fütterungsexperte, hat dabei die umwelt- und tierspezifischen Daten auf dem Betrieb aufgenommen. Das sind im Konkreten: die Maße der Stallabteile erfassen, Leistungsdaten erheben und Klimadaten aufnehmen.
  • Gleichzeitig haben wir die Gras- und Maissilagen zur CNCPS Analyse in das Labor gesendet.
  • Wichtig ist ebenso eine klare Definition der betrieblichen Ziele. Für die PG Flämingrind e.G. steht fest: Die Milchleistung muss steigen, das soll jedoch nicht zu Lasten der Tiergesundheit fallen.
  • Die auf dem Betrieb erhobenen Daten hat Eiting anschließend in die  dynamische Rationsberechnung nach CNCPS eingebunden.
  • Nach Erhalt der Analyseergebnisse von Gras und Mais sind diese ebenso in das Programm eingelesen worden.
  • Eiting hat im Anschluss die für uns optimierte Futterration erstellt und in einem Termin persönlich vorgestellt. Er hat uns dabei den Einsatz von Sojavollfettbohnen empfohlen. Dadurch soll eine Milchleistungssteigerung mit optimiertem Fettsäuremuster erreicht werden.
  • Regelmäßige Controlling -Termine von Fütterung und Management sichern seitdem den betrieblichen Erfolg.

 

Zahlen lügen nicht

Und was sich seitdem geändert? Die LKV-Jahresauswertungen machen es deutlich: Das Prüfjahr 2017 legt eine Herdenleistung von 10115 kg Milch (414 Fkg, 356 Ekg) dar. „Die bessere Kenntnis über das Grundfutter , vor allem über die Verdaulichkeiten von Faser und Stärke sowie die Optimierung nach Amino- und Fettsäuremuster machen eine deutliche Milchleistungssteigerung möglich“, weiß Rinderexperte Eiting. Der Abschluss des Prüfjahres 2018 beweist: Die Milchleistung hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 1170 kg Milch (434 Fkg, 380 Ekg) gesteigert.

 

Milchleistung im Jahresverlauf

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Besonderes Erntejahr 2018 

Auch Brandenburg blieb 2018 nicht von Hitze und Dürre verschont. Die Leiterin der Tierproduktion fragt sich nun: Ist das bestehende Leistungsniveau überhaupt zu halten? 15 Prozent Stärke in der Maissilage laut Futteranalyse ist auf den ersten Blick keine gute Ausgangsbasis, um die Milchleistung zu halten. Die Analyse nach CNCPS im Sano Labor macht jedoch deutlich: Die Maissilage ist besser, als auf den ersten Blick gedacht. Die Analyse zeigt die Verdaulichkeit der Maisstärke und der Faserbestandteile (NDF) auf. 72 Prozent der Maisstärke ist im Tier innerhalb von sieben Stunden verdaulich. Daraus lässt sich folgern: Der Stärkegehalt der Silage ist zwar niedrig, jedoch gut nutzbar für das Tier. Ebenso beweist die Verdaulichkeit der Faser, dass mehr drinsteckt, als auf den ersten Blick gedacht. Knapp 71 Prozent der Faserbestandteile sind für die Kuh innerhalb von 30 Stunden nutzbar, fast 82 Prozent der Faserbestandteile nach 240 Stunden. Die Kuh kann die enthaltenen Inhaltsstoffe wegen der guten

Verdaulichkeiten gut verwerten. Die Erfahrung hat auch Ortmann-Sternberg gemacht: „Sind die Verdaulichkeiten der Silagen hoch, können diese optimal verwertet werden. Das merkt man vor allem an der Einsparung an Kraftfutter.“

 

Bessere Tageszunahme bei den Mastbullen mit CNCPS

 „Nach den Erfolgen der CNCPS -Rationsberechnung bei den Milchkühen war für mich klar, auch die Mastbullen nach CNCPS zu verbessern“, bekräftigt die Leiterin der Tierproduktion. Hohe tägliche Zunahmen von im Schnitt 1300 g konnte die PG Flämingrind e.G. bereits erzielen, das Potential war jedoch noch nicht ausgeschöpft. Die 1500 Mastbullen füttern sie dreiphasig: Vor-, Mittel- und Endmast. So können die Futtermittel effizient und effektiv eingesetzt werden. Die Rationen sind maisbetont gestaltet. Mithilfe der CNCPS -Untersuchung der eingesetzten Grundfutter können Ortmann-Sternberg und Team nun den Grund- und Kraftfuttereinsatz je nach Faser- und Stärkeverdaulichkeit für hohe tägliche Zunahmen bei gleichzeitig geringen Rationskosten gestalten. Nach einem Jahr CNCPS bei den Mastbullen sind die täglichen Zunahmen bereits auf 1400 g gestiegen - und das unter dem Einfluss des schlechten Erntejahres 2018. Für Ellen Ortmann-Sternberg und Ludger Eiting steht fest: „Wissen, was drin ist im Futter, zahlt sich immer aus.“

 

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