Häckseln oder nicht häckseln? Maisernte in Dürrejahren

Vielerorts erfüllt der Mais eine überaus wichtige Aufgabe in der Futtersicherheit. Den richtigen Erntezeitpunkt zu treffen ist entscheidend, um hohe Gehalte an verdaulichen Nährstoffen auch in Trockenphasen und von trockengestressten Beständen ernten zu können. Mit den Sano Erfahrungen aus den Hitzesommern 2003, 2006, 2010 und 2018 und dem Sano Labor können Sie gut informiert die richtige Entscheidung für Ihren Betrieb treffen

Die diesjährige Hitze und langanhaltende Trockenheit hat die Maisbestände in ganz Deutschland stark gestresst. Regional ist ein Großteil der Maisbestände zudem durch den starken Wassermangel in der Blütephase im Juli enorm geschädigt. Im Extremfall resultiert der Trockenstress in stark gestauchten Pflanzen, schlecht befruchteten Kolben bis hin zu komplett kolbenlosen Beständen mit stark geschädigtem Blattapparat (Abbildung 1). Die Frage, die sich vielerorts stellt: „Soll ich sofort ernten, oder auf Niederschläge und die Regerationsfähigkeit meiner Maisbestände hoffen?“.  

Abbildung-1

Stufen des Trockenstress von 0 bis 5 (0 = kein Trockenstress; 5 = starker Trockenstress ohne Kolbenansatz) sowie der zu erwartenden Ertragsreduktion auf den Silomais-Ganzpflanzenertrag pro ha (in %), bzw. typische Kolbenausprägungen innerhalb der Stufen. 

Gut informiert die richtige Ernteentscheidung treffen 

Sano blickt auf eine hohe Anzahl von Erfahrungswerten der Hitzesommer 2003, 2006, 2010 und 2018. Mit Unterstützung der CNCPS Analyse des Sano Labors sowie Erfahrungen aus der Fütterungspraxis konnten so 6 Abstufungen von hitzegeschädigtem Mais erarbeitet werden (siehe Abbildung 1). Stufe 0 bedeutet, dass kein Trockenstress vorliegt. Bei Stufe 5 liegt sehr starker Trockenstress vor, sodass sich kein Kolbenansatz ausbilden konnte. Die Zeile darunter stellt die zu erwartende Reduktion der Biomasse-Ertragserwartung (in %) dar. Stark trockengeschädigte Bestände der Ausprägungsstufen 4, 5 und darüber hinaus zeichnen sich aufgrund sehr schlechter Kolbenausbildung und ausbleibender Befruchtung durch folgende Inhaltsstoffe in der Trockensubstanz (TS) aus: 

  • niedrigste Stärkegehalte (XS) von ca. 8 % (+/- 5%) 
  • hohen wasserlöslichen Zuckeranteilen (WSC) von ca. 15 % (+/- 3%) 
  • hohen Anteilen der Restpflanze und Gehalten der Faserbestandteile (aNDFom) mit ca. 55 % (+/- 8%)

Der verbleibende Anteil der wertbestimmenden Inhaltsstoffe setzt sich aus Rohasche, dem Rohprotein, der löslichen Faser und dem Rohfett zusammen. Anhand dieser Inhaltsstoff-Anteile wird schnell klar:  Wie ein solcher Silomais später „füttert“, hängt kaum von Stärkegehalt, sondern vor allem von der Pansenabbaubarkeit der Faserbestandteile, dem Silierverlauf und dem Gärsäurenmuster ab.    

Stufen 4 & 5: Jetzt noch verdauliches Futter ernten 

Neben der Sortenwahl hängt die Pansenabbaubarkeit der Faser vor allem auch von der Gesundheit der Restpflanze ab. Speziell bei Beständen mit hohem Trockenstress (Ausprägungsstufen 4, 5 und höher) ist zu erwarten, dass bei fortschreitendem Wassermangel der Blattapparat vollständig abstirbt. Die Verdaulichkeit der Faserbestandteile nimmt stetig ab. Außerdem können auch keine Zuwächse leicht verdaulicher Kohlehydrate (WSC) durch die Photosynthese erwartet werden. Zudem können abgestorbenen Pflanzenteile von Gärschädlingen (z.B. natürlich vorkommende Hefenarten) besiedelt werden. Die nicht befruchteten Narbenfäden sind mitunter ideale Eintrittspforten für den Befall durch den Maisbeulenbrand (Ustilago maydis). Aufgrund der erhöhten Tagestemperaturen nahe dem Wachstumsoptimum z.B. des Schimmelpilzes Aspergillus flavus kann auch das Risiko einer Kontamination mit Aflatoxin-Mykotoxinen steigen. Um also hoch pansenabbaubares Futter mit hohem Futterwert zu silieren, sollte in diesen Beständen eine sofortige Ernte in Betracht gezogen werden. Die Saat einer möglichen Zwischenfrucht kann dann ebenfalls bei veränderter Niederschlagssituation im Anschluss eingeplant werden.    

Stufen 2 & 3: Nährstoffzuwachs noch möglich 

Noch etwas abgewartet werden kann bei Beständen der Ausprägungsstufen 2 und 3, die noch über …  

  • … befruchtungsfähige Narbenfäden verfügen. 
  • … Pollen schütten bzw. in denen zumindest der erste Kolben teilweise befruchtet wurde. 
  • …  > 70% vitalen/grünen Blattapparates verfügen. 

Hier überwiegt aktuell noch die zu erwartende Assimilationsleistung und der Zuwachs an pansenabbaubaren Nährstoffen. Sobald hier weniger als die Hälfte vitalen/grünen Blattapparates vorhanden ist, sollte ebenfalls die Ernte eingeleitet werden.    

Stufen 0 & 1: Erntetermin etwas früher planen 

Auch für Bestände der Ausprägungsstufen 0 und 1 ist dieses Jahr ein früherer Erntetermin hoch wahrscheinlich. Diese Bestände können z.B. für eine erste Einschätzung der Abreife mit dem „digitalen“ Reifeprognosemodell MaisProg (www.maiskomitee.de) beobachtet werden. Die finale Abschätzung des TS-Gehaltes der Gesamtpflanze und Festlegung des Erntetermins sollte auch hier stets am Bestand getroffen werden. Eine repräsentative Häckselprobe und Messung des TS-Gehaltes z.B. via Heißluftfritteuse, Trockenofen, Mikrowelle oder entsprechend kalibrierter NIR Spektroskopie liefert eine präzise Entscheidungshilfe.   

Gute fachliche Silierpraxis bei trockengestresstem Silomais 

Für eine gute Verdichtung der Silagen und damit die Pansenmikroben die Faser der Ganzpflanze optimal nutzen können, muss bei der Ernte in Abhängigkeit der Trockensubstanz auf eine gute Zerkleinerung (6 mm bei > 32 % TS; ca. 10 mm bei < 28 % TS). Der Korncracker/Aufbereiter sollte ebenfalls so eingestellt werden, dass die vielfach „gummi-artigen“, Maiskörner intensiv zerkleinert werden. Dies können Sie z.B. einfach und schnell mit einer TMR-Schüttelbox bei der Ernte überprüfen.  

Niedrige Trockensubstanz-Gehalte 

Durch den fehlenden Stärkeanteil ist speziell bei Beständen der Ausprägungsstufen 4, 5 und darüber hinaus mit TS-Gehalten von ca. 26 % zu rechnen. Um hier eine ausreichende Konservierung mit Schutz vor Fehlgärung und Nacherwärmung zu gewährleisten ist der Einsatz eines geeigneten Konservierungsmittels unerlässlich. Gerade in solchen Ausnahmesituationen bietet sich der Einsatz des effektiven Kombi-Siliermittels Labacsil® Duo an. Dieses kombiniert ein breites Spektrum hochwirksamer Milchsäurebakterien mit einem effektiven Siliersalz.  

Normale Trockensubstanzgehalte 

Ab 32% TS sollte für einen sicheren Schutz vor Nacherwärmung der Einsatz von z.B. L. buchneri (Essigsäurebildung) zur Unterstützung der aeroben Stabilität der Silage eingesetzt werden. Labacsil® Stabil wurde genau für diese Situationen entwickelt und ist bereits zum wiederholten Mal mit dem DLG-Gütezeichen der Klasse 2 (Verbesserung aerober Stabilität) ausgezeichnet worden. Durch die voraussichtlich hohen Gehalte an schnell verfügbaren Kohlehydraten und löslichen Stickstoffkomponenten ist die Bildung einer ausgeprägten Gärhaube nichts Ungewöhnliches. Dies sollte bei der Stabilität der Siloabdeckung mitberücksichtigt werden. Für die Unterdrückung von Gärschädlingen, eine optimale Ausbildung des Gärsäurenmusters und um den natürlichen Abbau erhöhter Nitratmengen zu ermöglichen sollten zudem die Silagen mindestens 6 Wochen durchsilieren. Neben der aeroben Stabilitätsverbesserung profitiert die Futteraufnahme und ausreichender Vorschub kann leichter sichergestellt werden.    

Informiert auch herausfordernde Erntephasen meistern 

Vertrauen Sie auch bei trockengestressten Maissilagen in jedem Fall auf die zertifizierte CNCPS Analytik. Durch die genaue Betrachtung der Pansenabbaubarkeiten der Nährstoffe wird der Futterwert punktgenau bestimmt und die Rationen ideal auf die Lebens- und Leistungsphasen der Tiere eingestellt werden. So holen Sie auch aus Trockenstressphasen das Beste!  

Kopf hoch und viel Erfolg bei der Ernte! 

 

 

 

 

zurück
Passende Artikel
Labacsil® Duo Produktbild - Siliermittel mit Bakterien und Siliersalz für besonders sichere Silagen | Sano Labacsil® Duo
Inhalt 10 Kilogramm
Bruttopreis: 16,66 €
Labacsil® Stabil Labacsil® Stabil
Inhalt 1 Beutel
Bruttopreis: 138,04 €
Futteranalyse Produktbild: Paket NIR+ | Sano Labor NIR+
Inhalt 1 Stück
60,00 € * | Stück
Bruttopreis: 71,40 €
Futteranalyse Produktbild: Paket NIR+ & X Elements | Sano Labor NIR+ & X ELEMENTS
Inhalt 1 Stück
80,00 € * | Stück
Bruttopreis: 95,20 €