Faser im Futter verstehen

Wichtige Komponente im Grundfutter für Rinder

Faser ist eine wichtige Komponente in der Rinderfütterung, denn sie macht mindestens ein Drittel einer üblichen Mischration aus. Ihr gezielter Einsatz hat Einfluss auf Futteraufnahme, Pansengesundheit und Energieversorgung der Milchkühe. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Was bedeuten Buchstabenkombinationen wie NDF, ADF, ADL und was ist eigentlich Struktur? 

 

1. Was ist Faser?

Der Begriff „Faser“ bezieht sich auf die Pflanzenfaser und bezeichnet das Grundgerüst der Pflanzenzelle. Es setzt sich aus Hemicellulose, Cellulose und Lignin zusammen. Man spricht daher auch oft von „Gerüstsubstanzen“. Chemisch sind es Kohlenhydrate, die zu langen Ketten verbunden sind. Sie kann vom Tier nicht durch körpereigene Enzyme verdaut werden, das muss bei der Fütterung berücksichtigt werden. Es ist auf die Hilfe von Mikroorganismen angewiesen, die diese Aufgabe übernehmen. Bei der Kuh geschieht dies im Pansen. Wird Faser an die Kuh verfüttert, füttern wir also in erster Linie die Pansenbakterien.

  

  • Lignin

Lignin ist der stabilste Bestandteil der Zellwand und extrem widerstandsfähig. Nur Pilze sind in der Lage es als Nahrungsquelle zu nutzen. Je älter eine Pflanze wird, desto mehr Lignin bilden die Zellen. Das ist die Lignifizierung, die Verholzung der Pflanze. Dies sollte man insbesondere bei dem Erntezeitpunkt von Gras- und Maissilagen und somit auch bei der Rationsgestaltung beachten. Der Ligninanteil im Futter wird durch den Kennwert ADL dargestellt.

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  • Zellulose

Zellulose bezeichnet die äußere Schicht der Zellwand. Sie ist die Schutzbarriere nach außen und besteht aus tausenden Glucosemolekülen. Diese sind in einer Faltblattstruktur miteinander verbunden. Das macht sie stabil, verhindert aber auch die Verdauung durch Enzyme. Das hat Auswirkungen auf die Abbaubarkeit der Zellulosefasern. Der Kennwert ADF bezeichnet die Menge an Lignin und Cellulose im Futter. Es gilt: ADF minus ADL ergibt so den Wert an Zellulose.

 

  • Hemizellulose

Hemizellulose bildet die innere Schicht der Zellwand und gleichzeitig den Hauptbestandteil der Gerüstsubstanzen. Im Unterschied zur Zellulose ist sie aus verschiedenen Einfachzuckern zusammengesetzt. Das macht sie weniger stabil und für Mikroben besser verfügbar. Die Anteile Lignin, Zellulose und Hemizellulose werden gemeinsam im Kennwert NDF dargestellt.

Sowohl Zellulose als auch Hemizellulose sind beständige Nahrungsquellen für Bakterien, Hefen und Pilze. Die Mikroorganismen im Pansen können diese Stoffe zersetzen. Dadurch bekommt die Kuh wertvolle Energie. Das ist ebenfalls entscheidend und vorteilhaft für die optimale Entwicklung ihrer Gesundheit.

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2. Was bedeutet Faserverdaulichkeit?

Im CNCPS Modell werden alle Kohlenhydrate des Futters abhängig der Unterschiede ihrer Verdaulichkeit in die drei Fraktionen A, B, und C unterteilt. Die Merkmale der A-Fraktion sind leicht verdauliche Kohlenhydrate wie z. B. Zucker. Hemicellulose und Cellulose sind im Vergleich dazu mittel verdauliche Gerüstsubstanzen Teil der B-Fraktion. Lignin ist für die Kuh unverdaulich, liefert somit keine Energie für das Tier  und bildet die C-Fraktion.

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3. Wie wird Faser verdaut?

Kühe und alle anderen Wirbeltiere sind nicht in der Lage die Gerüstsubstanzen Hemizellulose, Zellulose und Lignin zu verdauen. Sie benötigen Hilfe von Mikroorganismen im Darm oder Pansen. Diese nutzen Hemizellulose und Zellulose als Nahrungsquelle. Der Wiederkäuer hat hierbei den Vorteil, dass der Pansen dem eigentlichen Verdauungssystem vorgelagert ist. Dadurch kann er faserreiche, pflanzliche Futtermittel als Energiequelle nutzen. Lediglich Lignin ist und bleibt eine Barriere und kann auch von den Pansenmikroben nicht verwertet werden. Daher sollte man beachten, eine Verholzung der Futterpflanzen zu vermeiden.

 

Bakterien und Hefen, die sich von den Gerüstsubstanzen ernähren, bilden Essigsäure. Diese flüchtige Fettsäure hat eine hohe und beständige Energiekonzentration. Die  Kuh verwendet  sie als Energiequelle und um Milchfett zu bilden. Das wirkt sich auf die Milchleistung aus. Zusätzlich wird durch die Faserverdauung der Zellwand auch der Zellinhalt für die Kuh verfügbar. So erreicht man mit den richtigen Futtermitteln eine beständige Energieversorgung.

 

4. Was ist Struktur?

Faser ist nicht gleich Struktur! Zwischen beiden Worten liegen enorme Unterschiede. Struktur beschreibt die physikalische Eigenschaft des Futters. Sie hängt maßgeblich von der Partikellänge ab und beeinflusst Futteraufnahme, Wiederkauaktivität, Speichelbildung sowie Pansen-pH. Der Strukturwert wird z.B. mit der Schüttelbox ermittelt. Wobei man alle Partikel, die oberhalb des vier Millimeter-Siebes verbleiben, als physikalisch effektiv bezeichnet. Ihr Anteil an der Gesamtprobe ergibt den pe-Faktor. Die NDF mit diesem pe-Faktor multipliziert, stellt die physikalisch effektive NDF (peNDF) dar. 

 

5. Wie kann ich die Faser optimal einsetzen?

 

Die Futteranalyse nach CNCPS analysiert standardmäßig die Verdaulichkeit Ihres Grundfutters. Außerdem werden die einzelnen Faserfraktionen NDF, ADF und Lignin einzeln analysiert und aufgezeigt. Mit der passenden Rationsberechnung nach CNCPS können diese Informationen optimal für die Fütterung genutzt werden. Das Programm sagt voraus, wie sich das Futter in der Kuh verhält, wie es verdaut wird und wie die Passagerate und Futteraufnahme sein wird. Durch diese Ergebnisse erhalten Sie stets eine optimale und ausgeglichene Ration. Besonders die Verdaulichkeit der Faser gibt uns dabei Einblick in den wahren Wert und die Energieverfügbarkeit unseres Grundfutters. Denn, je besser eine Silage für die Kuh nutzbar ist, desto:

  • Höher ist die Energieausbeute
  • Schneller ist die Passagerate
  • Höher ist die Futterverdaulichkeit
  • Gezielter kann Kraftfutter eingesetzt werden.  

 

 Sano24_Blog_Beitrag_Grafik_CNCPS_Kohlehydrate_Stoffwechsel_Kuh

 

Informieren auch Sie sich über die Analysen und Rationsberechnung nach CNCPS um Ihr Grundfutter optimal zu Nutzen. Kontaktieren Sie uns unter beratung@sano.de! 

 

Mehr zu Protein in der Rinderfütterung hier >

Mehr zu Stärke in der Rinderfütterung hier >

Mehr zu Fett in der Rinderfütterung hier >

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