Das Auge des Herren füttert das Vieh! - Challenge Absetzen

Gerade wir als Futtermittelfirmen und -Berater wurden in den letzten Monaten oft darauf angesprochen, dass wir doch ein „Wundermittel“ zum Absetzen im Ärmel haben müssten. Es läge doch hauptsächlich an uns, dass die Ferkel problemlos von der Muttersau in den Absetzstall marschieren können. Es ist zwar äußerst schmeichelnd, so große Bedeutung zugesprochen zu bekommen, der absolut wichtigste und unabkömmlichste Faktor in dieser Gleichung ist aber unumstritten: SIE!

Sie sind die Augen und Ohren, die tagtäglich die Tiere beobachten und in Punkto Gesundheitsstatus, Ernährung und Wohlbefinden beurteilen. Ebenso sind Sie der Erste im Stall, der eingreifen und gegensteuern kann, wenn die Herde vom gewohnten Leistungsniveau abweicht. Was sind also die Punkte, mit denen Sie vor allem im Management maßgeblich positiven Einfluss nehmen können?

Wir sehen sie zwar jeden Tag, nehmen sie aber meistens nicht wirklich war: die Genetik. Oft sind die diversen Linien und Rassen unterschiedlich gut belastbar im Verdauungstrakt. Eine Zeit lang legte man viel Hoffnung in sogenannte Coli-resistente Züchtungen. Der Erfolgszug dieser wäre aber größer, wenn die Ergebnisse besser wären.

Die Stallhygiene macht viel aus. Unabhängig davon, ob und mit welchen Desinfektionsmitteln gearbeitet wird, ist es vor allem die Gründlichkeit, die beim Waschen ausschlaggebend ist. Das teuerste und beste Desinfektionsmittel wird nichts bringen, wenn in der Ecke der Bucht noch der Kot der vorigen Ferkel klebt. Schwemmkanäle nach jeder Gruppe ablassen! 

Die optimale Stalltemperatur im Flatdeck beträgt 32 – 35° Celsius. Mindestens 12 Stunden vor dem Einstallen soll mit dem Aufheizen begonnen werden, damit sich Luft, Raum und vor allem der Boden erwärmen können. Die Bodentemperatur ist insofern enorm wichtig, weil ein kalter Boden den Ferkeln Körperwärme entzieht und so das Immunsystem instabil macht. Die Bodentemperatur kann einfach durch ein optisches Flächenthermometer kontrolliert werden. Viele Tierärzte haben solche Geräte immer mit dabei. Achten Sie aber unbedingt auf das Liegeverhalten Ihrer Ferkel und regeln Sie nach diesem auch die Temperatur im Stall (Haufenlage, …). 

 Generell ist der Tierarzt bei Problemen immer derjenige, der die besten Möglichkeiten – vor allem in punkto Diagnostik – hat. Kottupfer, Blutproben und Sektionen unbehandelter Tiere gehören zwar nicht zu den angenehmsten Arbeiten im Stall, mitunter aber zu den zielführendsten, wenn es um genaue Diagnosen und erfolgreiche Behandlungen geht! 

Wasser ist das wichtigste Grundnahrungsmittel. Abgestandenes, aufgewärmtes Wasser in den Leitungen, die Sauberkeit der Schalen und Biofilm in den Wasserleitungen sind eine häufige Ursache für Verdauungsprobleme und Leistungseinbußen kleiner Ferkel. Beim Einstellen muss stehendes Wasser aus den Leitungen abgelassen werden. Die Tränker und Schalen sind täglich (am besten zweimal) zu reinigen. Achten Sie auf Biofilm in den Leitungen! Die hohen Raumtemperaturen unterstützen eine exponentielle Vermehrung der Schadkeime in den Leitungen. 

Ferkel beim Absetzen nach Größe zu selektieren, bringt den Vorteil mit sich, dass man die Kleinsten separat noch besser betreuen kann. Diese kleineren Ferkel würden in der großen Gruppe noch weiter zurückfallen und können so mit spezieller Fütterung auf denselben Stand wie ihre Geschwister gebracht werden. 

Die Beifütterung der Ferkel im Abferkelstall ist so unterschiedlich, wie die Betriebe an sich. Jede/r Betriebsleiter/in hat eigene Methoden. Eines ist aber sicher: Wer in der Saugferkelbeifütterung keine Mühen scheut, hat beim Absetzen selbst einen problemloseren Verlauf. Dieser Aufwand macht sich bezahlt, weil die Verdauung der Ferkel die bestmöglichen Bedingungen für die Konditionierung auf Stärkeverdauung brauchen und diese nur so bekommen! 

Viele Landwirte haben in den letzten Monaten mit ihrem Absetzmanagement experimentiert. Gute Erfolge konnten damit erzielt werden, die Sau abzusetzen und die Ferkel noch einige Tage allein in der Abferkelbucht zu lassen. Sinnvoll ist es, 3-5 Tage vor dem Absetzen der Sau die Heizplatten abzuschalten und beim Raustreiben der Sau die Heizung wieder anzuschalten. So können sich die Ferkel an kühlere Temperaturen gewöhnen und lernen den Temperaturhaushalt eigenständig zu regulieren. 

Einige wenige Betriebe gehen sogar einen Schritt weiter und entfernen die Trennwände zwischen den einzelnen Abferkelbuchten, damit die Ferkel in einer großen Gruppe laufen können. So kommen sie mit anderen Keimen in Berührung und ihr Immunsystem lernt, sich damit auseinanderzusetzen. Die unzähligen Stressfaktoren fallen so nicht auf einen Tag zusammen, sondern können etwas aufgeteilt und von den Ferkeln wortwörtlich besser „verdaut“ werden. 

Sie sehen also, die Liste an Dingen, mit denen Sie den Absetzerfolg Ihres Betriebes beeinflussen können, ist sehr lang und vielfältig. Es heißt nicht umsonst: Das Auge des Herren füttert das Vieh! 

 

BEI DIESEN 6 PUNKTEN KÖNNEN WIR SIE NOCH UNTERSTÜTZEN: 

+ Optimales Absetzprodukt finden und passendes Fütterungskonzept erstellen 

+ Lösungsorientierte Rationsberechnung 

+ Verdauungsfördernde Zusatzstoffe 

+ Rohstoffqualität beurteilen und optimieren 

+ Milchleistung steigern und Absetzgewichte erhöhen 

+ Milchaustauscher, Ferkelbreie, Prestarter und Absetzfutter aufeinander abstimmen

 

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