Kälber, Kolostrum und Keimreduktion
Insbesondere in der Kälberaufzucht stellt Hygiene eine zentrale Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung dar. Welche positiven Effekte bereits einfache Maßnahmen hinsichtlich der Keimreduktion haben können, erfahren Sie im Folgenden.
Kolostrum
Lebensversicherung des Kalbes
Das Kalb kommt faktisch ohne Immunsystem auf die Welt. Um dem Kalb die bestmöglichen Chancen zu geben, dieses in den ersten Lebenswochen aufzubauen, benötigt es dafür qualitativ hochwertiges Kolostrum. Kolostrum dient als Energiequelle und es enthält Proteine, Wachstumsfaktoren und Immunregulatoren für die Entwicklung des Darms. Auch die Kolostrumtränke über den ersten Tag hinaus hat positive Auswirkungen auf das Kalb. Durch die enthaltenen bioaktiven Stoffe der Übergangsmilch wird die Darmentwicklung gefördert. Das erhöht die Anzahl von Darmepithelzellen und sorgt für längere Darmzotten. Im Darmepithel können so unter anderem mehr Rezeptoren für Wachstumsfaktoren gebildet werden: IGF-1, IGF-2 und Insulinrezeptoren (McDermott & Huffnagle, 2013; Hammon and Blum, 2000 & 2002; Roffler et al., 2003).
Qualität beeinflussen
Die Qualität des Kolostrums lässt sich während der Trockenstehzeit beeinflussen. Dauer, Haltung und Fütterung sind in dieser Zeit entscheidend. Diese qualitativ hochwertige und nährstoffreiche Milch muss nach der Kalbung direkt gemolken werden, damit dem Kalb die Vorteile in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Bei der Gewinnung ist auf hygienisch einwandfreie Bedingungen zu achten.
Kolostrummanagement
Menge und Qualität des Kolostrums haben einen entscheidenden Einfluss auf die langfristige Entwicklung und Leistungsfähigkeit des Kalbes. Somit wird bereits in den ersten Lebensstunden die Grundlage für vitale Kälber und somit für leistungsstarke Kühe und Bullen gelegt.
Innerhalb der ersten drei Stunden nach der Geburt sollte das Kalb mindestens drei bis vier Liter hochwertiges Kolostrum aufnehmen. Der Zeitfaktor ist dabei ein entscheidender Punkt. Die Fähigkeit der Immunglobuline, unverdaut die Dünndarmschleimhaut zu passieren, ist nur in den ersten Lebensstunden gegeben. Mit voranschreitender Zeit verringert sich auch die Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut und somit die Aufnahmekapazität für die Immunglobuline. Wie Abbildung 1 zeigt, können bereits sechs Stunden nach der Geburt nur noch etwa 50 % der Immunglobuline aufgenommen werden.
Abbildung 1: Prozentualer Anteil der aufgenommenen Immunglobuline (% IgG) in Abhängigkeit der Zeit nach der Geburt (h).
Ein elementarer Faktor ist außerdem die Qualität. Das Kolostrum sollte mindestens 60 g IgG (Immunglobulin G) pro Liter aufweisen. 200 g Immunglobuline ist die Menge, die Kälber bei der ersten Mahlzeit aufnehmen sollten, das entspricht demnach drei bis vier Liter Kolostrum. Zur routinemäßigen Überprüfung der Qualität ist daher ein Kolostrometer oder eine Kolostrumspindel zu empfehlen. Abbildung 2 zeigt beispielhaft eine mangelnde Kolostrumqualität. Bei einem Gehalt von unter 60 g IgG/ Liter Kolostrum wird die Anwendung eines Aufwerters empfohlen. Hier eignet sich Cotosan Plus® hervorragend. Cotosan Plus® stellt den Kälbern mit Hilfe von Traubenzucker schnell Energie zur Verfügung. Durch die enthaltenen Immunglobuline, Vitamine und Antikörper sorgt Cotosan Plus® für eine Steigerung der Abwehrkräfte. Außerdem sind Milchsäurebakterien enthalten, die einen positiven Effekt auf die Darmflora haben.
Abbildung 2: Überprüfung der Kolostrumqualität.
Weniger Keime – Mehr Zunahmen
Die Sauberkeit des Euters spielt beim Gewinnen der Biestmilch eine große Rolle. Von besonderer Bedeutung ist auch die ordnungsgemäße Reinigung der Tränkeutensilien. Vom Euter bis zum Nuckel gibt es verschiedene Eintrittspforten für Keime in die Kolostralmilch und damit ins Kalb. Neben der Milchkanne und dem Transporteimer, ist vor allem der Nuckel oft erheblich belastet. Mangelnde Hygiene wird schnell zum Problem für das Kalb. Die Dünndarmschleimhaut der neugeborenen Kälber ist nicht nur für Immunglobuline durchlässig, sondern für alle Keime, die die Biestmilch verunreinigen.
Reinigen Sie Transportbehälter, Tränkeeimer und Nuckel regelmäßig und gründlich, um den Keimdruck für das Kalb zu reduzieren. Abbildung 3 zeigt Unterschiede in der Keimzahl bei gereinigten und ungereinigten Melk- und Tränkeutensilien. Mit Abbildung 4 wird deutlich, dass bei niedrigeren Keimzahlen höhere Tageszunahmen erreicht werden. Der zeitliche Aufwand für eine sorgfältige Reinigung spiegelt sich in der Gesundheit und Entwicklung der Kälber wider. Diese Ergebnisse sollten Grund genug sein, das eigene Hygienemanagement kritisch zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
Abbildung 3: Veränderungen der Gesamtkeimzahl (KbE/ml) in Abhängigkeit von der Hygiene im Melk- und Tränkebereich.
Entscheidung für ein ganzes Leben
In den ersten Lebenswochen kann entscheidend Einfluss auf die Leistungsfähigkeit funktionaler Gewebe wie Leber, Herz und Nieren genommen werden. Weiter werden entscheidende Stoffwechselfunktionen festgelegt. Der Stoffwechsel (Metabolismus) der späteren Milchkuh wird bei einer optimalen Versorgung leistungsfähiger und auch widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten. Schaffen Sie mit der optimalen Versorgung und Hygiene die Basis für gesunde und leistungsstarke Kühe und Bullen!
Abbildung 4: Tageszunahmen (g) in Abhängigkeit der Keimzahl (KbE/ml).
Selbstverständlich legt eine adäquate Kolostrumversorgung nur den Grundstein. Nur hochwertiges Kolostrum gewährleistet eine ausreichende passive Immunisierung des Kalbes und senkt nachhaltig das Risiko für Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen. Auch die nachfolgende Zeit ist kein Selbstläufer. Alle Maßnahmen, die das Wohlbefinden und die Abwehrkräfte der Kälber steigern, wirken sich auch langfristig auf die Leistungsfähigkeit der Tiere aus. Allgemein gilt es, die Haltungsumwelt der Kälber optimal zu gestalten und durch eine adäquate Fütterung für eine optimale Entwicklung zu sorgen. Wie bereits angesprochen sollte – in allen Bereichen - große Aufmerksamkeit der Hygiene gewidmet werden.
Sie möchten herausfinden wo in ihrer Kälberaufzucht verstecktes Potential liegt? Wenden Sie sich an Ihre:n Sano Fachberater:in.