Optimale Melkroutine – was muss ich beachten?

Die drei grundsätzlichen Anforderungen an das Melken sind: zügig, vollständig und ohne pathologische Veränderung. Es ist wichtig, dass man immer mal wieder seine Arbeitsroutine auf dem eigenen Betrieb hinterfragt und kritisch betrachtet: Was kann man besser machen? Was gibt es Neues? Ist mein Vorgehen schon optimal? Durch eine optimierte Melkroutine erhalten Sie die Eutergesundheit Ihrer Tiere, reduzieren Stress im Melkprozess und entlasten alle beteiligten Personen und Mitarbeiter im Melkprozess.

Warum und wie sollten Sie Vorreinigen?

Die Vorreinigung hat das Ziel eine hygienisch einwandfreie Milch zu gewinnen und das Eindringen von Erregern beim Melken in den Strichkanal zu vermindern. Es gibt verschieden Methoden zur Vorreinigung. Die gängigsten Vorgehen bei der Zitzenreinigung sind die Säuberung mit einem feuchten Tuch, die Kombination mit einem Spray und einem trocknen Tuch oder die Kombination aus Dippen/ Schäumen und einem trockenen Tuch. Gereinigt wird nicht nur die Zitzenkuppe, sondern die gesamte Zitze. Bei allen Methoden gilt: Ein Tuch pro Kuh! Der häufigste Fehler im Stall ist das Verwenden eines Tuches bei mehreren Kühen. Mehrwegtücher müssen bei mindestens 90°C gewaschen werden um die Übertragung von Bakterien und anderen Erregern zu verhindern.

Sano24_Blog_Beitrag_optimierte_Melkroutine_Verfahren_zum_Vorreinigen

 

Warum sollte ich Vormelken?

Das Vormelken dient einerseits der Stimulation und andererseits der Kontrolle der Milch: es sollte Farbe, Viskosität und das Vorhandensein von Flocken kontrolliert werden. Das Vormelken erfolgt am besten immer in einen Vormelkbecher, da hier die Veränderungen gut erkennbar sind. Beim Vormelken auf den Boden, in die Hand oder das Eutertuch ist die Kontrolle der Milch nicht so eindeutig und es besteht außerdem die Gefahr der Erregerübertragung. Die optimale Stimulation (Vormelken) sieht wie folgt aus: 2 – 3 Strahlen Milch pro Zitze (15 s) mit anschließend 60- 120 Sekunden Wartezeit. So erreichen Sie einen schönen Anstieg der Milchflusskurve bei ihrer Kuh. Die Stimulation ist äußerst wichtig. Bei einer fehlenden Stimulation kann es unter anderem zu folgenden Auswirkungen kommen: Blindmelken, höhere Belastung der Zitzen, ungünstige Milchflusskurven, erhöhte Melkdauer, erhöhtes Nachgemelk und eine verringerte Persistenz des Gewebes.

Was gilt es beim Ansetzen des Melkzeuges zu beachten?

Das Melkzeug muss ohne Lufteinzug angesetzt werden, sonst entsteht ein sogenannter Respray. Das bedeutet Luft gelangt durch einen Melkbecher und bereits ermolkene Milch von anderen Vierteln wird wieder hochgedrückt und kann in den Strichkanal eindringen. Weiter ist die richtige Positionierung des Melkzeuges Voraussetzung, dass die Kuh vollständig ausgemolken werden kann. Beachten Sie, dass der Euterboden und die waagerechte Achse des Sammelstücks parallel verlaufen. Prüfen Sie auch ihre Zitzengummis und die Einstellung des Melkzeugs regelmäßig. Ein defekter Zitzengummi reduziert nicht nur die Druckwirkung der Melkmaschine, sondern kann auch dem Euter schaden. Wann ist der richtige Zeitpunkt der Melkzeugabnahme? Neben der manuellen Abnahme per Hand gibt es auch technische Möglichkeiten zur automatischen Abnahme. Der Grundsatz hierbei ist: Blindmelken vermeiden und gleichzeitig nicht zu viel Milch im Euter zurücklassen – die Faustzahl hierfür ist maximal 300 g Restmilch im Euter nach dem Melken.

Wann und warum wird gedippt?

Nachdem das Melkzeug abgenommen wurde, wird gedippt! Beim Dippen ist es besonders wichtig, dass es gleich im Anschluss nach dem Melken, also nach der Melkzeugabnahme erfolgt. Die Zitze ist gleich nach der Melkzeugabnahme noch lang und zeigt keine Hautfalten, sodass die ganze Zitze gedippt werden kann. Der Postdip erfüllt im Wesentlichen drei Funktionen: Desinfektion, Pflege und den Strichkanalverschluss.

Warum ist eine Zwischendesinfektion sinnvoll?

Die Verschleppung von Erregern ist ein nicht zu unterschätzendes Problem! Vermindern Sie mit einer Zwischendesinfektion die Erregerübertragung in der Herde von Kuh zu Kuh über das Melkzeug. Vor allem bei kuhassoziierten Erregern wie zum Beispiel Staph. Aureus ist eine Zwischendesinfektion dringend empfohlen! Die Erreger sind oft noch nach mehreren Kühen im Melkzeug nachweisbar.

Fazit:

Hygiene, eine einwandfrei funktionierende Melkanlage und eine ordentliche Routine in der Melkarbeit, sind in der Praxis die Maßnahmen, die bei möglichst geringem Aufwand bereits merklich die Milchqualität und Menge verbessern. Ausfälle durch Erkrankungen wie Mastitis werden reduziert, der Tierverkehr im Melkstand beschleunigt. Mit einer regelmäßigen Schulung Ihrer Mitarbeiter, können sie diese für das Thema sensibilisieren und neue Routinen und bessere Melkbedingungen etablieren. Natürlich gibt es nicht die perfekte, einheitliche Lösung für alle Betriebe! Die Arbeitsroutine muss zeitlich passen und individuell angepasst werden. Es spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle: die Art des Melkstandes, die Anzahl der Melker, die Vorbereitung der Kühe und vor allem das persönliche Ziel! Dennoch besteht grundsätzlich immer die Möglichkeit auch bei alltäglichen Arbeiten noch einzelne Schritte zu optimieren.

 Sano24_Grafik_Prozess_optimierter_Melkprozess_Ablauf

Quelle: Webinar „Optimale Melkhygiene – Einfluss auf die Eutergesundheit“, Imke Pulss. Sehen Sie sich hier das Video dazu an >

Für weitere Fragen kontaktieren Sie Ihren Sano Fachberater oder melden Sie sich unter beratung@sano.de.

zurück