IOFC: In Zeiten wie diesen erfolgreich wirtschaften
Die Wirtschaftlichkeit einer Ration zeigt sich im Verhältnis von Futterkosten zu Leistung. Steigt durch eine Rationsanpassung die Leistung stärker als die Kosten, erhöht sich der Gewinn. Dies beschreibt die Kennzahl Income over Feed Cost (IOFC).
IOFC: Kennzahl für profitable Fütterungsentscheidungen
In der Milchproduktion und Rindermast zählen die Futterkosten zu den größten Kostenblöcken und machen häufig mehr als die Hälfte der Direktkosten aus. Entsprechend groß ist ihr Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs.
Der IOFC zeigt, welcher Erlös nach Abzug der Futterkosten verbleibt, und macht die Wirtschaftlichkeit einer Ration direkt messbar. In der Milchproduktion beispielsweise errechnet sich der IOFC wie folgt:
IOFC = (Milchmenge (kg/Kuh und Tag) * Milchpreis (€/kg)) – Futterkosten (€/Kuh und Tag).
Die Kennzahl berücksichtigt aktuelle Markt- und Futterpreise und dient somit als belastbare Grundlage für fundierte Fütterungsentscheidungen.
Mehr Leistung aus dem gleichen Futter
Durch die optimale Abstimmung von Energie- und Proteinversorgung sowie eine hohe NDF-Verdaulichkeit wird die Futterverwertung verbessert. Die Tiere nutzen die Nährstoffe effizienter, erzeugen mehr Leistung je Kilogramm Futter. Dadurch steigt das Einkommen nach Futterkosten (IOFC).
Niedrige Futterkosten = Mehr Gewinn? Leider nicht!
Eine rein kostenorientierte Betrachtung von Futterrationen birgt Risiken, da die günstigere Ration nicht zwangsläufig die wirtschaftlichere ist. Werden vermeintliche teure Futterkomponenten wie Sojaextraktionsschrot oder Körnermais durch kostengünstige Alternativen wie Maiskleberfutter, Getreideschlempen oder Kleien ersetzt, wird die Ration zwar billiger, allerdings sinkt auch das Leistungspotential. So kann es vorkommen, dass die kostengünstigere Futterration, einen niedrigeren IOFC aufweist. Denn sinkende Tierleistungen oder negative Auswirkungen auf Tiergesundheit und Futtereffizienz können den augenscheinlichen wirtschaftlichen Vorteil schnell aufheben.
Praxisbeispiel:
Durch den Einsatz eines zusätzlichen Futtermittels steigen die Futterkosten um 0,40 € pro Tag und Kuh an. Gleichzeitig steigt die Milchleistung im Herdenschnitt um 1,5 kg pro Tag. Bei einem Milchpreis von 0,45 € / kg ergibt dies einen Mehrerlös von 0,68 € pro Tag pro Kuh.
| Position | Wert | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zusätzliche Futterkosten | + 0,40 € / Kuh / Tag | - 0,40 € / Kuh / Tag |
| Mehrleistung | + 1,5 kg Milch / Kuh / Tag | |
| Milchpreis | 0,45 € / kg | |
| Mehrerlös | 1,5 x 0,45 € | + 0,68 € / Kuh/ Tag |
| Zusätzlicher IOFC | 0,68 € - 0,40 € | + 0,28 € / Kuh / Tag |
| 100 Kühe pro Tag | 100 x 0,28 € | + 28,00 € |
| 100 Kühe pro Jahr | 28 € x 365 Tage | + 10.220 € |
Obwohl die Ration teurer geworden ist, verbessert sich das Betriebsergebnis. Der Einsatz des zusätzlichen Futtermittels ist daher wirtschaftlich sinnvoll. Bezogen auf die betriebliche Praxis bedeutet dies, dass sich der IOFC besonders für den Vergleich verschiedener Futterrationen eignet.
Praktische Anwendung des IOFC
Typische Fragestellungen die mithilfe des IOFC beantwortet werden können:
- Lohnt sich der zusätzliche Einsatz der Futterkomponente in der Ration?
- Entscheidung zwischen zwei Futtermitteln: Welche Futterkomponente liefert einen wirtschaftlichen Vorteil?
- Ist der Einsatz eines vermeintlich kostengünstigen Futtermittels auch wirtschaftlich sinnvoll?
Präzision schafft Profit
Die CNCPS-Rationsberechnung kombiniert Futteranalyse, Verdaulichkeit und Passageraten zu einer bedarfsgerechten Fütterungsstrategie. Grundlage dafür ist die Kenntnis der tatsächlichen Verfügbarkeit und Abbaubarkeit der Nährstoffe in den eingesetzten Futtermitteln. Dadurch wird sichtbar, wie Silagen, Kraftfutter und Nebenprodukte optimal kombiniert werden können. Häufig lassen sich bereits mit den auf dem Betrieb vorhandenen Futtermitteln Leistung und Futtereffizienz steigern. Das verbessert die Nährstoffausnutzung, reduziert Nährstoffverluste und erhöht die Wirtschaftlichkeit der Ration und ist somit ein direkter Hebel für einen höheren IOFC.
Wissen was drin ist
Wie in Abbildung 1 deutlich wird, zeigt vor allem die Kenntnis der Verdaulichkeit von Futtermitteln große Potentiale auf. Im Beispiel liegt der unverdauliche Faseranteil (uNDF) der Grassilage B bei etwa 45 % und ist damit deutlich höher als bei Grassilage A. Das bedeutet, dass ein größerer Teil der Zellwandbestandteile dauerhaft unverdaulich bleibt. Mit dieser Kenntnis kann die Ration gezielt angepasst werden.
Abbildung 1: Deutliche Unterschiede in der NDF-Verdaulichkeit von Grassilagen
Fazit
Die Kombination aus CNCPS-Futteranalyse, präziser Rationsberechnung und der Betrachtung des IOFC ermöglicht eine wirtschaftlich und nachhaltig optimierte Fütterung. Unabhängig von der Lebens- und Leistungsphase der Tiere lässt sich bereits im Vorfeld beurteilen, wie sich Fütterungsmaßnahmen auf Kosten, Leistung und Betriebsergebnis auswirken.
Der IOFC macht die Wirtschaftlichkeit von Rationen transparent und unterstützt dabei, Futtermittel effizienter einzusetzen, die Futterverwertung zu verbessern und vorhandene Leistungspotenziale auszuschöpfen. Davon profitieren Tier, Umwelt und Betrieb gleichermaßen: durch eine höhere Nährstoffeffizienz, ein höheres Einkommen nach Futterkosten sowie eine stärkere ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. Denn am Ende zählt nicht die günstigste Ration, sondern die Ration mit dem höchsten wirtschaftlichen Ertrag.
Gerne unterstützen wir Sie bei der Ermittlung Ihres IOFC. Wenden Sie sich dazu an Ihre:n Fachberater:in.