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Erfolgreiche Sauenfütterung in der Abferkelphase: Grundlagen für Leistung und Gesundheit

Die Abferkelphase belastet Sau und Management stark. Eine früh angepasste Fütterung kann Tiergesundheit, Milchleistung und Fruchtbarkeit langfristig sichern.

Mehrere Ferkel schauen in die Kamera

Die Abferkelphase stellt einen der sensibelsten Abschnitte im Produktionszyklus der Sau dar. In kaum einer anderen Phase treffen so hohe Anforderungen an Stoffwechsel, Futteraufnahme und Management aufeinander. Eine gezielte und angepasste Fütterung – beginnend bereits im Übergang vom Wartestall in den Abferkelbereich – ist entscheidend, um Tiergesundheit, Milchleistung und Fruchtbarkeit langfristig zu sichern.

Transitfütterung als Schlüssel zum Erfolg

Bereits vor der eigentlichen Laktation beginnt die Weichenstellung: Die sogenannte Transitfütterung sorgt für einen gleitenden Übergang zwischen Trächtigkeit und Säugezeit. Ziel ist es, den Stoffwechsel frühzeitig auf die bevorstehende Hochleistungsphase vorzubereiten und Verdauungsstörungen zu vermeiden. Eine unzureichende Anpassung in dieser Phase kann sich später in reduzierter Futteraufnahme und erhöhter Krankheitsanfälligkeit niederschlagen.

 

Ziele der Laktationsfütterung

Während der Abferkelung und anschließenden Laktation stehen mehrere zentrale Ziele im Fokus:

  • Hohe Milchleistung zur optimalen Versorgung der Ferkel
  • Minimierung von Körpermasseverlusten der Sau
  • Vermeidung verzögerter oder ausbleibender Rausche
  • Prävention des „Dünne-Sauen-Syndroms“

Gerade letzteres stellt ein erhebliches Problem dar: Hohe Körpermasseverluste während der Laktation führen langfristig zu einer Abnahme der Fettreserven im Körper der Sau. Während in der Laktation etwa 550–650 g Fett pro kg Körpermasseverlust mobilisiert werden, beträgt der Wiederaufbau in der folgenden Trächtigkeit lediglich 200–300 g Fett pro kg Zunahme. Ein vollständiger Ausgleich ist somit kaum möglich. Die Folgen sind reduzierte Leistungsfähigkeit, Fruchtbarkeitsprobleme und geringere Lebensleistung.

 

Bedarfsgerechte Fütterung: Energie und Protein im Fokus

Der Energie- und Proteinbedarf säugender Sauen ist enorm. Futter mit einem Energiegehalt von über 13 MJ ME/kg bildet die Grundlage für eine leistungsorientierte Versorgung. Etwa 80 % der aufgenommenen Energie werden direkt für die Milchbildung genutzt.

Als Faustzahl für die Futtermenge gilt:

  • Erhaltungsbedarf: ca. 2 kg Futter pro Tag
  • Zusätzlich: etwa 0,5 kg je gesäugtem Ferkel

Die Futteraufnahme sollte nach der Abferkelung gezielt gesteigert werden. Ab dem 3. bis 8. Tag erfolgt eine tägliche Erhöhung um 0,5 bis 1,0 kg.

 

Zielwerte liegen bei:

  • Jungsauen: etwa 4,5 kg pro Tag
  • Altsauen: etwa 5,5 kg pro Tag

Diese Steigerung muss jedoch an die individuelle Futteraufnahmefähigkeit angepasst werden.

 

Laktationshyperthermie im Blick behalten

Ab etwa dem 8. Tag nach der Abferkelung kann es durch den intensiven Stoffwechsel zu einer ansteigenden Körpertemperatur kommen – ein Phänomen, das als Laktationshyperthermie bezeichnet wird. Die Folge ist häufig eine reduzierte Futteraufnahme, die wiederum die Milchleistung beeinträchtigt.

Eine bewährte Gegenmaßnahme besteht darin, die Futtermenge an Tag 9 und 10 jeweils um etwa 1 kg zu reduzieren, um den Stoffwechsel kurzfristig zu entlasten und die Futteraufnahme anschließend wieder zu stabilisieren.

 

MMA (Metritis Mastitis Agalaktie) vorbeugen: Fütterung als Baustein der Tiergesundheit

MMA (Metritis-Mastitis-Agalaktie) gehört zu den häufigsten Erkrankungen in der Abferkelphase. Auslöser sind häufig bakterielle Toxine, insbesondere Endotoxine gramnegativer Keime.

Diese entstehen vor allem bei:

  • Darmträgheit (koprostatischer Darm)
  • Geburtskomplikationen und Endometritiden
  • Harnwegsinfektionen
  • Unzureichender Wasseraufnahme

Typische Symptome sind Apathie, verminderte Futteraufnahme, Fieber, Gesäugeveränderungen und Milchmangel.

 

Fütterungsstrategien zur Prophylaxe

Ein wichtiger Ansatz zur Vorbeugung liegt in der gezielten Rationsgestaltung:

  • Einsatz von Komponenten mit niedrigem bzw. negativem Basenüberschuss
  • Senkung des Harn-pH-Wertes zur Reduktion vaginaler Infektionen
  • Vermeidung calcium- und basenreicher Futtermittel (z. B. Di- oder Tricalciumphosphat)
  • Bedarfsorientierter Einsatz von Aminosäuren

Ein geringerer Basenüberschuss führt zu einem niedrigeren Harn-pH-Wert (siehe Diagramm 1), was das Infektionsrisiko im Urogenitaltrakt reduziert und somit indirekt zur MMA-Prophylaxe beiträgt.

 

Effekte des Basenüberschusses (BE) im Futter auf den Harn-pH-Wert bei Sauen (Lindermayer,2002)

Effekte des Basenüberschusses (BE) im Futter auf den Harn-pH-Wert bei Sauen (Lindermayer, 2002)

 

Fazit

Die Fütterung von Sauen in der Abferkelphase ist ein komplexes Zusammenspiel aus Energieversorgung, Stoffwechselsteuerung und Gesundheitsmanagement. Nur durch eine konsequent angepasste Transit- und Laktationsfütterung lassen sich hohe Milchleistungen, stabile Körperkonditionen und eine nachhaltige Fruchtbarkeit sicherstellen. Gleichzeitig ist sie ein zentraler Baustein zur Vorbeugung von Erkrankungen wie MMA und damit entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg in der Sauenhaltung.

 

Ihr:e Sano-Fachberater:in unterstützt Sie dabei, die Abferkelphase optimal zu gestalten und die Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit Ihrer Sauen nachhaltig zu sichern.

 

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