Gesund ins neue Jahr starten: Niedrige Temperaturen & hohe Anforderungen an das Kälbermanagement
Gerade im Winter bei eisigen Umgebungstemperaturen geraten neugeborene Kälber schnell in Kältestress: Ideale Bedingungen für Kälbergrippe. Oberste Priorität hat die Deckung des erhöhten Energiebedarfs und die Minimierung von Energieverlusten.
Winter = Kälbergrippezeit
Besonders in der nass-kalten Jahreszeit hält die Kälbergrippe Einzug in viele Bestände. Die Kälbergrippe ist eine multifaktorielle Erkrankung. Verschiedene Wegbereiter und Eintrittspforten ermöglichen es den entsprechenden Erregern, eine Infektion auszulösen. Stressoren wie Behandlungen, Futterwechsel oder Umstallungen sowie eine mangelhafte Hygiene können als Wegbereiter für Krankheitserreger dienen.
Zu Beginn der Infektion zerstören Viren häufig die lokale Immunabwehr in der Lunge, wodurch Staubpartikel und Keime nicht mehr ausreichend abtransportiert werden können. In diesem Milieu vermehren sich anschließend Bakterien, die eine Sekundärinfektion verursachen.
Anzeichen für Kälbergrippe:
- Erhöhte Atemfrequenz
- Im Zeitraum von 30 Sekunden sind 20 - 40 Atemzüge normal; mehr als 40 Atemzüge weisen auf eine erhöhte Atemfrequenz hin
- Nasenausfluss
- Sichtbarer Nasenausfluss deutet darauf hin, dass das Kalb schon krank ist, da sich ein gesundes Kalb die Nase leckt
- Eitriger Nasenausfluss = Kalb ist sehr krank
- Fieber
- Körpertemperatur > 39,5 °C = Anzeichen einer akuten Infektion
- Husten
- Husten ist ein sicheres Signal für eine Erkrankung
→ Behandlung und Identifizierung der Ursache sind erforderlich
- Husten ist ein sicheres Signal für eine Erkrankung
- Atemgeräusche
- Überprüfung mittels Stethoskops
- Abweichungen von der Norm deuten auf das Vorliegen einer Infektion hin und sollten mit dem Tierarzt abgeklärt werden.
Das Vorgehen beim Abhören sowie die Akustik bei einem gesunden Kalb sind wie folgt:
- Luftröhre: Einatmung deutlich, Ausatmung abgeschwächt hörbar
- Hinter dem Schultergelenk: Ein- und Ausatmung sind schwächer hörbar als an der Luftröhre
- An den Querfortsätzen der Rippen: Einatmung nur sehr leise hörbar, Ausatmung ist nicht zu hören
Prävention
Stallklima
Ein funktionierender Luftaustausch zwischen verbrauchter und frischer Luft im Kälberstall ist zwingend notwendig, ohne die Kälber dabei Zugluft auszusetzen. Gerade in Altgebäuden stellt die Umsetzung eines optimalen Stallklimas häufig eine Herausforderung dar. Die Thermik im Stall kann beispielsweise mit Hilfe eines Nebelgerätes überprüft werden, da sich so die Luftströmungen sichtbar machen lassen. Sollten keine optimalen Bedingungen vorliegen, ist die Installation eines geeigneten Lüftungssystems ratsam.
Ammoniak schädigt die Lunge der Kälber, mit Teststreifen kann die Belastung im Stall überprüft werden. Bereits bei Ammoniakgehalten ab 5 ppm treten nachweislich erste Lungenschäden bei Kälbern auf, was die Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen deutlich erhöht.
Eine einfache und sehr wirksame Methode, die Luftqualität zu verbessern ist, die Verkürzung des Entmistungsintervalls sowie die Reduktion der Belegdichte. Darüber hinaus sind eine regelmäßige und gründliche Reinigung der Stallbereiche sowie der Einsatz geeigneter Desinfektionsmittel von großer Bedeutung, um den Infektionsdruck im Kälberbereich nachhaltig zu senken.
Außerdem ist es ratsam, die Kälber entsprechend ihres Alters aufzustallen (Saufkälber, Absetzer, Fresser). Gleichaltrige Kälber haben die gleichen Ansprüche an die Haltung und Fütterung und konstante Gruppen reduzieren Stress und die Übertragung von Krankheiten im Stall.
Fütterung
Kolostrum ist und bleibt der Grundstein für ein stabiles Immunsystem und eine erfolgreiche Kälberaufzucht. Es stellt die einfachste und gleichzeitig kostengünstigste Maßnahme zur Prophylaxe von Kälberkrankheiten dar. Die rechtzeitige Aufnahme von qualitativ hochwertigem Kolostrum (> 22 % Brix, optimal > 25 % Brix) sichert dem Kalb einen optimalen Start ins Leben.
Eine gezielte Versorgung mit Eisen, Selen, Vitaminen und weiteren Spurenelementen unterstützt die Entwicklung der Kälber. Insbesondere Eisen spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung roter Blutkörperchen und somit beim Sauerstofftransport im Organismus. Ein Eisenmangel führt zu Leistungseinbußen und einer erhöhten Infektanfälligkeit, da Eisen auch an der Antikörperproduktion beteiligt ist. Gerade bei der Vollmilchtränke kann der Eisenbedarf des Kalbes nicht vollständig gedeckt werden. In diesem Fall empfiehlt sich der Einsatz des Vollmilchaufwerters Latteccino®, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Mangel von Eisen und Selen nach der Geburt auszugleichen, wofür Calf fit® entwickelt wurde. Calf fit® deckt mittels hochverfügbarer Komponenten den Eisenbedarf zuverlässig ab und fördert durch das enthaltene Selen den natürlichen Saugreflex, was insbesondere bei neugeborenen Kälbern von Bedeutung ist. Zusätzlich unterstützt Vitamin E die Funktion des Immunsystems der Kälber.
Mit sinkenden Umgebungstemperaturen im Winter steigt der Erhaltungsbedarf der Kälber deutlich an und damit die Notwendigkeit, die Energiezufuhr über die Fütterung zu steigern. Wird dieser zusätzliche Energiebedarf nicht gedeckt, steht weniger Energie für Immunsystem, Entwicklung und Wachstum zur Verfügung. Die Folgen sind geringere tägliche Zunahmen, eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit sowie eine steigende Kälbersterblichkeit. Die Energiedichte kann durch die Erhöhung der Tränkemenge angehoben werden. Besonders bei jungen Kälbern ist die Tränke einer hochwertigen Kälbermilch wichtig, da sie pflanzliche Eiweißquellen nicht verwerten können. Sano hat mit Sanolac Startino® eine Kälbermilch mit 50 % Magermilch entwickelt, die hochverdaulich ist und den speziellen Anforderungen junger Kälber gerecht wird. Sanolac Startino® fördert die Entwicklung und Widerstandsfähigkeit der Kälber und trägt durch den pflanzlichen Wirkkomplex InPulSan zur Stärkung der Darm-Lungen Achse bei, die eine zentrale Rolle in der Immunabwehr spielt.
Zusätzlich zur Tränke sollten immer auch Wasser und Festfutter zur Förderung der Pansenentwicklung angeboten werden. Das ist entscheidend, um die mikrobielle Besiedlung des Pansens, die Entwicklung der Pansenzotten sowie die Pansenmotorik zu fördern. Insbesondere Stärke und Strukturkomponenten des Festfutters sind dabei entscheidend. Um gezielt Einfluss auf die Vormagenentwicklung zu nehmen, muss das Festfutter über eine hohe Schmackhaftigkeit verfügen. Das Kälbermüsli Meggi Müsli® wurde auf Basis der langjährigen Erfahrung von Sano entwickelt, um den spezifischen Bedürfnissen der Kälber zu entsprechen. Die hohe Schmackhaftigkeit stellt eine hohe Festfutteraufnahme sicher. So können sich die Kälber optimal entwickeln.
Komfort
Ab Außentemperaturen von unter 10 °C empfiehlt sich die Nutzung von Kälberdecken bei neugeborenen Kälbern. Kälber haben kaum Körperreserven, die sie vor der Kälte schützen. Außerdem sorgt das Verhältnis der großen Körperoberfläche zur kleinen Körpergröße für erhöhte Wärmeverluste. Eine zwingende Voraussetzung für die Nutzung von Kälberdecken ist, dass die Kälber vollständig trocken sind. Dazu eignet sich beispielsweise eine Wärmelampe und ausreichend Einstreu (Nesting Score 3), bei der alle Gliedmaßen im Liegen vollständig mit Einstreu bedeckt sind. Durch den Einsatz einer Kälberdecke werden Wärmeverluste reduziert und die aufgenommene Energie kann somit für Wachstumsprozesse genutzt werden.
Bei erkrankten Kälbern trägt eine Kälberdecke dazu bei, das Wohlbefinden zu verbessern und den Genesungsprozess zu beschleunigen. Wenn weniger Energie für die Thermoregulation benötigt wird, kann der Organismus die verfügbare Energie effizienter für Regenerationsprozesse nutzen. Die Decken sollten nach jedem Kalb gewaschen werden. Mit steigendem Alter sind Kälber zunehmend besser in der Lage, ihre Körpertemperatur auch bei niedrigen Umgebungstemperaturen selbstständig zu regulieren.
Um den neugeborenen Kälbern auch bei niedrigen Außentemperaturen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, gibt es viele Stellschrauben an denen gedreht werden kann.
Von besonderer Bedeutung sind eine gute Luftqualität, eine erhöhte Energiezufuhr sowie die Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Ihre:n Sano Fachberater:in.